Den ersten Verfolger um die Tabellenführung in der Football Regionalliga Süd haben die TSV Neu-Ulm Spartans zu Hause erfolgreich abgeschüttelt. Ein bis zur Halbzeit offenes Spiel gegen die Kirchdorf Wildcats gewinnen die Spartans am Ende – nach einer überlegen geführten zweiten Halbzeit – klar mit 42:25 (7:7 / 14:12 / 7:6 / 14:0) .

Die Wildcats hatten einen sehr guten Start in die Partie. Zunächst konnten sie zwei schwierige Situationen nach einer langen Strafe und später in einem ausgespielten 4. Versuch erfolgreich zum First Down verwandeln. Dann fand Kirchdorfs Quarterback (QB) Armani Edden seinen Receiver Shane Deshotel für einen tiefen Pass-Touchdown (TD) zum 6:0, Extrapunkt (PAT) gut: 7:0.

Aber auch die Spartans konnten sofort den Ball bewegen. Ein langer Lauf von QB Hunter Sturgeon (#7), zwei schnelle Pässe von Sturgeon auf Luca Stieglbauer (#2) und ein weiterer längerer Lauf von Sturgeon brachten die Neu-Ulmer nah an die gegnerische Endzone. Dort vollendete dann auch Spielmacher Sturgeon himself, indem er sich kraftvoll in die Endzone warf. Ausgleich 7:7 nach Extrapunkt Max Walser (#56).

Im folgenden Drive konnte die Spartans-Defense das Kirchdorfer Tempo deutlich drosseln. Mehrere sehr gut gelesene gegnerische Spielzüge verhinderten größeren Raumgewinn und im 3. Versuch machte Max Walser einen wichtigen Tackle gegen den Lauf von Kirchdorfs Tom Stecher für negative Yards und zwang die Wildcats so zum Punt.

Mittlerweile im zweiten Spielviertel und zurück im Angriff warf QB Sturgeon den Ball kurz zu Running Back Mike Höchsmann (#16), der vier Verteidiger abschütteln konnte und für 30 Yards nach vorn stürmte. Kurze Verschnaufpause für Höchsmann – durch einen Lauf von Dirk Mainka (#34) für sieben Yards – dann zeigt Höchsmann das nächste Highlight: Eigentlich im Backfield schon gestoppt, reißt er sich los, macht per Kehrtwende über die andere Seite doch noch 15 Yards gut und bringt die Spartans an die 20-Yard-Line.

Weil der Lauf so gut funktionierte, biss die Kirchdorfer Defense dann auch auf den nächsten Spielzug. Sturgeon täuscht aber die Ballübergabe an Höchsmann nur an, zieht den Ball zurück, rollt nach links raus und findet in der Endzone Receiver Janne Endl (#80) frei für einen 20-Yard-TD. 14:7 nach PAT durch Walser-Kick und damit die erste Neu-Ulmer Führung.

Jetzt wurde aber auch Kirchdorfs Offense wieder gefährlich. Nach einer Strafe für Neu-Ulm beim Kickoff Return hatten die Wildcats schon an der 50-Yard-Linie den Ball und brauchten nur vier Spielzüge für den nächsten TD durch Pass von Edden auf Deshotel. Beim Extrapunkt misslang aber der Snap, die Neu-Ulmer Defense war wach und hielt so eine knappe Führung mit 14:1

Noch schneller ging es aber dann bei Neu-Ulm. Ein kurzer Laufspielzug, dann erneut Run angetäuscht und QB Sturgeon warf zielgenau in den Lauf von Nick Alberto (#4), der an allen Verteidigern vorbei sprintete und erst nach 60 Yards in der Endzone anhielt. 21:13 nach PAT durch Walser.

Auch Kirchdorf punktete schon vier Spielzüge später mit Pass von Edden auf seinen Receiver Nick Stadler, der einen Abstimmungsfehler in der Neu-Ulmer Passverteidigung für einen 37-Yards-Touchdown nutzte. Um die Acht-Punkte-Differenz auszugleichen, versuchten die Wildcats eine 2-Punkt-Conversion, QB Edden bekam aber zu viel Druck durch einen Blitz von Tim Zick (#29) und warf den Ball zu kurz.

So blieben die Spartans 21:19 vorne und hatten noch etwas über eine Minute bis zur Halbzeit und zwei Timeouts. Die Angriffsserie lief stark mit Pässen von Sturgeon auf Alberto und Höchsmann, beim entscheidenden Pass in die Endzone war aber Justus Babl hellwach für Kirchdorf und fing eine Interception an der 2-Yard-Linie. In den verbleibenden Sekunden konnte Kirchdorf nicht mehr scoren.

„Ich hatte den Eindruck, dass wir teilweise etwas überdreht haben. Das Spiel war unruhig, der letzte Pass etwas forciert. Unser Gameplan war eigentlich gut, aber wir hätten mit einem vierten Touchdown vor der Halbzeit und dem Ballbesitz nach der Pause den Sack zumachen können. Deshalb war die Ansage ans Team, ruhiger und kontrollierter zu agieren. In den letzten beiden Spielen war Kirchdorf im vierten Quarter jeweils in der Leistung abgefallen, deshalb sollte unsere zweite Halbzeit auch deshalb stärker werden“, so Spartans Headcoach Daniel Koch über seine Analyse zur Pause.

Die zweite Halbzeit startete Running Back Mike Höchsmann dann auch wieder mit einem Paukenschlag. Im ersten Lauf rannte er freigeblockt von der Offense Line und seinem Positionskollegen Dirk Mainka 40 Yards und damit tief in die Wildcats-Hälfte. Kurz später lief Hunter Sturgeon für 30 Yards in die Endzone. Beim Spielzug gab es aber ein Foul eines Spartans, gelbe Flagge, kein TD, sondern Ball nur an der 20-Yard-Linie. Das brachte die Offense wohl aus dem Konzept und einen kurzen Lauf und drei unvollständige Pässe später mussten die Spartans ohne Punkte vom Feld.

Die Wildcats-Offense um Edden witterte die Chance auf die erneute Führung. Edden lief mehrfach selbst für gute Yards und verteilte den Ball auf seine Receiver Obermaier, Stadler und Schatz. Die letzten fünf Yards brachte dann ein Lauf-TD durch Tom Stecher. Beim erneuten Versuch einer 2-Punkt-Conversion war die Spartans-Passabwehr aber stark, und es gab keine Extrapunkte.

Trotzdem lag Kirchdorf nun mit 21:25 wieder vorne, und Neu-Ulm stand nach zwei misslungenen Angriffsserien ganz schön unter Druck. Da schlug erneut das Duo Sturgeon-Alberto zu. Nach präzisem hohem Pass war Nick Alberto zum zweiten Mal im Spiel vor allen Verteidigern und lief 70 Yards in die Endzone. Walser kickte gewohnt sicher und damit gingen die Spartans wieder mit 28:25 in Führung.

Ab dann übernahm die Spartans Defense die Partie. Im ersten Offense Spielzug der Wildcats fing Linebacker Sami Wedde (#53) den Pass von Edden ab und brachte die Spartans sofort wieder in Ballbesitzt. Und das schon an der 45-Yard-Linie der Wildcats.

Die Spartans dominierten jetzt auch physisch das Spiel. Die Offense Line blockte wie wild und die Läufe von Sturgeon und Höchsmann waren nicht zu bremsen. Nach vier Plays lief Mike Höchsmann durch mehrere Verteidiger in die Endzone zum 35:25, inklusive PAT, natürlich von Walser.

Auch in der Defense Line der Spartans war jetzt auch mehr Dampf. Erst sackten Steffen Ganghof (#91) und Jonathan Kuntz (#12) gemeinsam Armani Edden, kurz später setzte ihn Jens Buske (#95) arg unter Druck beim Pass-Versuch. Den daraus entstandenen unpräzisen Wurf pflückte der auch an diesem Spieltag besonders gut aufgelegte Max Walser mit der nächsten Interception aus der Luft.

Das Momentum war jetzt komplett bei den Spartans. Es war offensichtlich, dass die Wildkatzen jetzt körperlich sehr zu kämpfen hatten. Immer wieder blieb einer von ihnen mit Verletzung und auch Krämpfen liegen. Und die Spartans Offense Line blockte und blockte, Höchsmann und Mainka liefen und liefen mit Ball. Sieben Laufspielzüge durch die beiden Running Backs, dann der achte Lauf angetäuscht und Offense-Chef Sturgeon lief in die andere Richtung die letzten Yards zum Touchdown. 42:25, den PAT steuerte erneut Walser bei.

Nun will die Defense noch eins drauf setzen: Erster Spielzug nach dem Kickoff, Jonathan Kuntz attackiert den Wildcats-QB Edden von seiner Blindside, schlägt genau auf den Ball für einen Fumble und erobert diesen direkt selbst. Drei Ballverluste hatte die Spartans-Defense damit in den letzten sieben Offense-Spielzügen der Wildcats erzwungen.

Bei den Spartans bekamen jetzt noch der zweite QB Joshua Bulling (#18) und weitere junge Spieler Einsatzzeit und brachten das Spiel sicher nach Hause.

„Unsere zweite Halbzeit war schon sehr stark. 21 Punkte ohne Antwort, die drei Turnovers durch die Defense, Gameplan perfekt umgesetzt, alle Spieler gesund geblieben – mehr kann ich mir als Headcoach und Defense Coordinator nicht wünschen“, so HC Koch nach dem Spiel. „Anders als in den letzten Jahren leider meist, sind wir in den Top-Spielen dieses Jahr in Höchstform. Diese müssen wir nun aber auch noch ein weiteres Mal beim Rückspiel gegen die Rams bringen.“

Die Nürnberger sind nämlich der andere, jetzt noch der einzige verbliebene Verfolger, der dafür aber umso enger dran ist: Tabellen-Zweiter nach ebenfalls nur einer Niederlage. Diese mussten sie im Hinspiel ausgerechnet gegen die Spartans hinnehmen. Da stand es am Schluss 38:36 für Neu-Ulm, denkbar knapp also. Es wird somit wohl ein grandioser Showdown werden am 18. Juli um 16 Uhr im Dietrich-Lang-Sportzentrum in Neu-Ulm.



