Spartans düpieren favorisierte Rams

In der Football-Regionalliga Süd stand am Wochenende ein potentiell wegweisendes Match an: Die drittplatzierten TSV Neu-Ulm Spartans reisten zum ungeschlagenen Tabellenführer Nürnberg Rams. Während die Spartans sich im ersten Saison-Match einen völlig unnötigen Patzer gegen den Aufsteiger Nürnberg Hawks geleistet hatten, grüßten die Rams nach den drei ersten Partien mit noch makelloser Punkte-Bilanz von der Tabellenspitze und konnten auf ein beeindruckendes Scorer-Verhältnis von 138:34  verweisen. Beeindrucken konnte in diesem Match aber dann vor allem die Spartans-Offense, die variabel wirbelte, nicht zu stoppen war, den Neu-Ulmern einen 38:36 (13:16, 6:6, 7:6, 12:8) Sieg bescherte und somit für die erste ganz große Überraschung in der Liga sorgte.

Wahl gewonnen – richtige Entscheidung getroffen: die Team-Captains Max Walser (#56), Anton Schoger, Hunter Sturgeon (#7), Joshua Bockrocker (#22).

Dabei begann das Spiel denkbar schlecht. Im ersten Offense-Spielzug zeigten die Nürnberger einen Trickspielzug über 70 Yards, erzielten in Sekunden den ersten Touchdown (TD) und dazu noch eine 2-Punkt-Conversion zum 8:0. Als die Spartans dann beim folgenden Kickoff-Return noch den Ball verloren und die Rams so in aussichtsreicher Position direkt wieder den Ball bekamen, sah es nicht danach aus, als wäre für die Spartans in Nürnberg viel zu holen.

„Vor zwei Jahren im entscheidenden Spitzenspiel sind wir in Nürnberg böse unter die Räder gekommen. Vor allem physisch dominierten sie da das Spiel und sicherten sich so die Meisterschaft und den Aufstieg in die GFL2. Das hatten viele unserer Spieler schon noch im Kopf“, erklärt Spartans-Headcoach (HC) Daniel Koch den Fehlstart. In der GFL2 hätten die Rams 2025 sportlich auch die Klasse gehalten, entschieden sich aber freiwillig für den Gang zurück in die Regionalliga.

Dass sie keine Lust auf eine Wiederholung von 2024 hatten, zeigten die Spartans dann aber schnell. Die Defense hielt und zwang Nürnberg zum Field Goal-Versuch, welcher misslang. Und die Spartans-Offense zeigte sich direkt schwer ausrechenbar. Quarterback  (QB) Hunter Sturgeon (#7) verteilte den Ball mit schnellen Pässen auf Nick Alberto (#4), Luca Stieglbauer (#2) und Tobias Spohn (#81). Den Abschluss in der ersten Serie bildete ein TD von Running Back (RB) Mike Höchsmann (#16). So hieß es nach nach Extrapunkt (PAT) von David Gohl (#84) 8:7. Höchsmann, der von der U13 durch alle Jugendmannschaften ein Spartaner gewesen war,  spielte nach seinem zweijährigen Aufenthalt am Junior College in den USA gegen die Rams erstmals wieder im Neu-Ulmer Trikot – und lieferte eine bärenstarke Leistung ab.

Julian Mader (#69) durfte in diesem Match drei Mal den erfolgreichen „Touch-Downer“ Mike Höchsmann hochleben lassen.

Die Rams zeigten ebenfalls eine gute Offense-Serie, erzielten einen weiteren Touchdown mit 2-Punkt-Conversion und bauten die Führung auf 16:7 aus. Im Gegenzug reichte den Spartans ein einziger Pass über 70 Yards von Hunter Sturgeon auf Janne Endl (#80) zum 16:13. Aber auch Nürnberg war weiter explosiv, immer wieder mit Pässen von Quarterback David Keogh, vor allem auf Neuzugang Kevin Jones, welcher im letzten Jahr noch für den Ligakonkurrenten Amberg aktiv war und erst diese Woche zum Team gestoßen ist. Schnell wurde die Führung größer mit dem nächsten Touchdown zum 22:13, die 2-Punkt-Conversion scheiterte diesmal allerdings.

Die Spartans-Offense marschierte aber unbeirrt, immer mehr zeigte Mike Höchsmann jetzt starke Läufe, die letzten kurzen Yards zum 22:19 machte dann QB Sturgeon selbst zu Fuß. Und vor der Halbzeit konnte die Neu-Ulmer Defense dann auch endlich wieder ein wichtiges Zeichen setzen: Sie bremste die Rams aus, die  – weil die Zeit auslief – nicht mehr scoren konnte.

Coaching Staff (von links): Chris Vogellehner, QB Hunter Sturgeon, Toni Pedrone, Patrick Schempf, Turner Sturgeon, Daniel Koch

Nach der Halbzeit-Pause zeigte sich, dass die Spartans beim Coin Toss richtig entschieden und sich für den Start in den zweiten Durchgang das Angriffsrecht gesichert hatten. Jetzt bot sich tatsächlich die Chance auf die erste Führung in dieser Partie. Dabei gab es zwar zwei kritische vierte Versuche, die QB Sturgeon aber souverän löste – einmal mit sehenswertem Pass auf Nick Alberto für 25 Yards direkt vor der gegnerischen Endzone und dann per eigenem Lauf zum TD – Punktestand nach PAT von David Gohl 22:26 für Sparta.

Die Rams waren in der zweiten Halbzeit weniger variabel, setzten fast ausschließlich auf den Lauf, was sie aber auch sehr gut machten. So eroberten sie per TD die Führung zum 28:26 zurück, versemmelten aber den Versuch einer 2-Punkt-Conversion.

Im vierten Viertel angekommen, blieb dir Spartans-Offense auf der Erfolgsspur, war nicht wirklich zu stoppen. Vor allem RB Höchsmann drehte immer weiter auf. Freigeblockt von einer starken Leistung der Offense Line marschierte er im Mix mit Dirk Mainka (#34) über das Feld und markierte den nächsten TD zum 28:32. Dann punktete wieder die Rams-Offense mit ihrer lauflastigen Formation, nach TD  plus 2-Punkt-Conversion stand es 36:32.

„Ich hatte da ein leichtes Deja-Vue“ sagt der an diesem Tag an Stelle des verhinderten Markus Fritz auch für die Defense verantwortliche Daniel Koch. „Mit ganz ähnlichem Konzept und starker Physis hat uns Nürnberg vor zwei Jahren auch geschlagen. Da unsere Offense aber heute so stark war und ich auch in der Defense eine ganz andere Körpersprache und Emotion gesehen habe als damals, wusste ich, dass es diesmal anders laufen wird.“

Besagte starke Offense legt auch schnell wieder nach. Der Gameplan der Coaches Turner Sturgeon und Patrick Schempf war exzellent. Ein sehr guter Mix aus Pass und Lauf, wieder abgeschlossen von Mike Höchsmann mit seinem dritten TD des Tages zum 36:38.

Und dann war wie von Koch gefordert auch die Defense auf dem Posten. In der entscheidenden letzten Serie zwangen sie die Rams mit einem starken Tackle und einer Strafe zu einem 3. Versuch und über 20 Yards zu gehen. In den beiden folgenden Pässen waren mit  Joshua Bocksrocker (#22) und  Lukas Heinrich (#24) beide Cornerbacks je einmal stark zur Stelle und verhinderten den Catch. Danach konnten die Spartans noch zwei First Downs erzielen und dann die Uhr auslaufen lassen.

„Es war sehr schön, die Emotionen nach dem Spiel zu sehen. Die Niederlage von vor zwei Jahren so zu verarbeiten, hat sehr gutgetan und gibt viel Selbstvertrauen. In der Defense haben wir noch Arbeit; vor allem auch durch die vergeigten PAT wurde es eng. Aber: Es war ein tolle Leistung der ganzen Mannschaft. Jeder war im richtigen Moment voll da war und hat zum Sieg beigetragen“, resümiert HC Koch.

Nächste Woche steht das nächste Auswärtsspiel bei den Amberg Mad Bulldogs an. Die Spartans sind nun gleichauf mit Nürnberg hinter dem neuen Tabellenführer Kirchdorf Wildcats, der erst zwei Matches ausgetragen hat und dabei zwei Siege verbuchte. Da in der Tabelle inzwischen nicht mehr Siegpunkte, sondern der Sieg-Quotient zählt, ergibt sich diese Konstellation. Kirchdorf mit zwei Siegen aus zwei Spielen steht bei 1.000, während Spartans und Rams bei 0.750 (drei Siege aus vier Spielen) stehen. Durch die Gruppenkonstellation, in der es nicht gegen jeden Gegner ein Hin- und Rückspiel gibt, wurde auf dieses Modell umgestellt.