
Noch im Februar war unsicher, wie die Saison in der Landesliga für den U19-Nachwuchs der Neu-Ulm Spartans laufen würde. Nicht nur ein neuer Headcoach (HC), sondern beinahe gleich ein kompletter Trainerstab musste neu aufgestellt werden. Die Wahl fiel auf Michael Hirthammer als HC – eine mutige Entscheidung, die sich aber als wahrer Glücksgriff erwiesen hat.

Hirthammer, im Senior-Team die #44, war nämlich zuvor zwar als Positionstrainer in der U19 aktiv, war aber dort noch sehr frisch. Als aber dann klar wurde, dass auf der vakant gewordenen Position des Jugend-Cheftrainers was geschehen musste, meldete Hirthammer sein Interesse an: „Ich habe angefangen in der U19 zu coachen, um langfristig dazu beizutragen, dass genug talentierter Nachwuchs zu den Herren kommt. Dann kam der Zufall ins Spiel: Durch Verletzung kann ich diese Saison nicht selbst spielen und es wurde ein neuer HC gesucht. War dann eigentlich ein No-Brainer.“ Die Verantwortlichen waren nach kurzem Gespräch überzeugt: Da stimmt alles, das ist alles andere als eine Notlösung.
Und in den folgenden Wochen zeigte sich, dass Hirthammer ein sehr gutes Gespür dafür hat, was der Spartans-Nachwuchs braucht. Die Trainingsbeteiligung stieg deutlich an, Spaß und Intensität im Training sind hervorragend. Dazu tragen auch die anderen Veränderungen im Trainerstab bei: Seniors-Quarterback Hunter Sturgeon wechselte von der Aufgabe als U16-Headcoach zum Offense Coordinator der U19. Aus zwei Gründen konsequent und richtig: zum einen spielt die U16 im Sommer nur die reduzierte und kontaktlose Variante Flag-Football, der Bedarf an Coaches in der U19 ist in dieser Zeit also einfach höher. Zum anderen sind viele der Spieler, die Sturgeon in den letzten drei Jahren in der U16 sehr stark inspiriert und entwickelt hat, mittlerweile in der U19 angekommen.

Mit Robert Schoger und Jonas Elison übernahmen zwei junge Coaches die Offense- und Defense-Linien der U19. Beide sind im Herrenteam auf diesen Positionen aktiv und so auch Vorbilder für die Jugendlichen, die ihre Coaches Woche für Woche auf dem Spielfeld sehen können. Ebenso so Max Walser, der bei den Herren ein absoluter Leistungsträger ist und nun die Defense der U19 koordiniert. Der amerikanische Wide Receiver Nick Alberto bringt seine Erfahrung bei den Passempfängern der U19 ein. Komplettiert wird dieser Trainerstab von Robert Jarzebak, der flexibel in der Offense arbeiten kann, sich vorrangig aber mit Sturgeon um die Quarterbacks kümmert und Patrick Schempf, der in erster Linie mit den Running Backs arbeitet.
Spartans-Sportdirektor Daniel Koch: „Eines unserer wichtigsten Ziele war es, U19 und Herrenteam enger zusammenzubringen. Sowohl in den Systemen und Strategien, aber auch durch direkte Kontakte zwischen den Spielern der Teams. Mit diesem Trainerstab sehe ich das gegeben.“
Das sieht Hirthammer sehr ähnlich: „Wir haben uns eigentlich in allen Belangen verbessert. Die Trainingsbeteiligung ist gestiegen, es gehen immer mehr Spieler ins Gym und arbeiten Off-the-Field an sich. Wir haben viele neue Coaches, die Input bringen in Form von Trainigsgestaltung, Playbook, etc. Die Stimmung im Team ist besser sowohl unter den Spielern, zwischen Spielern und Trainern und auch zwischen den Teams U16/U19/Seniors – man arbeitet zusammen anstatt jeder für sich. Man merkt auch, dass viele Spieler durch all diese Sachen selbstbewusster sind, sich mehr zutrauen und andere, neue Rollen im Team übernehmen.“ Da er 2025 ja bereits in kleinerer Rolle in der Jugend gecoacht hat, kann er diese Veränderung klar identifizieren.

Die Tabelle nach der Hinrunde.
Und das sieht er auch als die Gründe für den sportlichen Erfolg in der aktuellen Saison. Drei von drei Spielen konnte das Team bisher gewinnen. Nach einem engen Auftaktsieg mit 38:36 gegen den Nachwuchs der Kirchdorf Wildcats folgten zwei klare Siege gegen die Aschaffenburg Stallions (54:6) und die Spielgemeinschaft Dachau/Starnberg/Augsburg (40:0). Und auch für den Kader der bayerischen Jugendauswahl (Bavarian Warriors) scheinen viele der jungen Athleten gute Chancen zu haben. Insgesamt 14 Spieler waren auf den beiden Sichtungen im Mai und bekamen dort gute Rückmeldungen. Die Auswahl-Trainer betonten oft, welch gute Entwicklung in den letzten Monaten zu erkennen sei. Seit Dezember waren viele der Spieler auch immer wieder bei offenen Trainings der Landesauswahl und konnten sich hier eben immer stärker präsentieren.

U19 beim try out für die Bavarian Warriors Anfang Mai
Besonders aufgefallen ist dabei der 15-jährige Leontin Merkel. Er war bei den Sichtungen der schnellste Spieler aus fast 200 Kandidaten. Neben seiner tollen Grundathletik auch ein Ergebnis der Arbeit von Sturgeon in der U16, der Merkel begleitet, seitdem er 12 ist. Unter anderem, um sich im Football noch weiter entwickeln zu können, wird Merkel im Herbst sechs Monate an eine Highschool in die USA gehen – wie sein gleichaltriger Teamkollege und Freund Leo Niedermeier, der Merkel ursprünglich zum Football mitbrachte und im April zum zweiten Mal in Folge mit der U17-Flag-Football-Auswahl Bayerns das Jugendländerturnier gewann. Frisch von einer kanadischen Highschool kommt dafür im Juni Alexander Weiss zurück nach Neu-Ulm. Er hat in Winnipeg im letzten Herbst auf der Position des Running Backs starke Leistungen gezeigt und wird auch die Neu-Ulmer Jugend sicher wieder deutlich verstärken.

Das waren die Spiele der Hinrunde.
Man sieht also, wieviel Leidenschaft viele der Jugendlichen entwickeln und wieviel Talent hier schlummert. So auch Michael Hirthammer über sein Team: „Ich habe schnell erkannt wie viel Potenzial wir im Jugendbereich haben und wie wichtig es ist, da ein gut durchdachtes System, Training, etc. zu haben um das auszuschöpfen. Überrascht war ich davon, wie erwachsen und reflektiert die Jungs für ihr Alter schon sind, dass kannte ich so (von mir zumindest) nicht.“
Auf die Frage nach dem weiteren Ausblick für 2026 sagt Hirthammer: „Alle weiteren Spiele gewinnen und Gruppensieger werden. Dann hoffentlich für viele Spieler noch eine weitere Saison in der Warriors-Bayern-Auswahl. Dann ist der Plan für die lange Off-Season ein intensives und gutes Programm anzubieten und für 2027 genug Spieler zu rekrutieren um 11er-Tackle zu spielen.“ Derzeit tritt das Team noch in der 9-Mann-Liga an.
Das ist auch genau der richtige Weg für das Gesamtprogramm der Spartans. Schaut man sich die Ligenstruktur im U19-Bereich in Bayern an, so gibt es noch sechs Vereine, die höher spielen als die Spartans derzeit. In der U19-11er-Bayernliga die Allgäu Comets (verstärkt durch Spielgemeinschaft mit Landsberg), die Munich Cowboys, die Regensburg Phoenix und die Straubing Spiders. Allesamt die Jugendteams von GFL-Bundesligisten. Und in der U20-Jugend-Bundesliga die Nürnberg Rams und die Fursty Razorbacks. Beides Gegner der Spartans-Herren in der Regionalliga Süd, die aber letztes Jahr freiwillig den Weg aus der GFL2 in die Regionalliga nahmen, um sich dort nachhaltig besser aufzustellen.
Sportdirektor Koch dazu: „Das ist für mich eine ganz klare Korrelation: Im bayerischen Football funktioniert ein langfristig erfolgreiches Herrenteam nur mit überragender Jugendarbeit. Über Quereinsteiger, Zugänge aus anderen Vereinen und internationale Importspieler lässt sich ein Kader nicht so aufstellen, dass er über Jahre stabil ist. Wir sind jetzt sehr lange konstant solide, wissen aber, dass die GFL2 finanziell und auch von der Kadersituation eine große Herausforderung wäre, auch wenn wir den Aufstieg sportlich schaffen. Wollen wir zu den führenden Programmen in Bayern / Süddeutschland gehören, führt unser Weg dahin, zunächst eine führende Jugendarbeit aufzubauen. Mit der aktuellen Entwicklung der U19 haben wir uns jetzt genau auf diesen Weg gemacht.“

